Junge Sinfoniker begeistern mehr als 800 Zuschauer in der Stadthalle
VON MATTHIAS GANS
Gütersloh. Welch ein Tumult, welch ein Getöse. New York brodelt geradezu in „The Big Apple“, in dem der Niederländer Johan de Meij die Stadt mit großer Geste und orchestralem Pomp feiert. Ein Stück, wie gemacht für die Jungen Sinfoniker. Die gut 90 Musikerinnen und Musiker zwischen 13 und 22 Jahren liefen in der erstaunlich gut besuchten Stadthalle, von Dirigent Thomas Clamor entsprechend befeuert, zur Hochform auf.
In seiner komplexen Rhythmik und im effektvollen Einsatz der orchestralen Mittel fordert gerade dieses Werk einen engagierten Klangkörper. Thomas Clamor verstand es, die Klangschichten dieser Sinfonie mit gleißenden Bläserkaskaden und perkussiv gewobenem Klangteppich in ein perfektes Verhältnis zueinander zu setzen. Ein prächtiges Spektakel.
Doch auch mit viel gespieltem Repertoire konnten die Jungen Sinfoniker punkten. Einzelsätze aus den beiden „Carmen-Suiten“ von Georges Bizet wurden von den jungen Musikern so präzise wie temperamentvoll gespielt. Lustig paradierte das Thema der „Garde montante“ durch die Register, während Harfe und Holzbläser im idyllischen Intermezzo bezirzten und das ganze Orchester im schmissigen „Les toréadors“ durch rhythmische Wucht bestach. Maurice Ravels „Pavane“ bildete die sublim musizierte Überleitung zur zweiten „Carmen“-Abteilung, die einen erst 15-jährigen Geigensolisten in den Vordergrund rückte: Hyun-Jin Kim.
Der Bielefelder, seit seinem 9. Lebensjahr Jungstudent von Eckard Fischer in Detmold, weiß genau, worum es in Pablo de Sarasates „Carmen-Fantasie“ geht: Nicht nur um schnelle Finger, denen Doppelgriffe und irre Sprünge aus dem Effeff gelingen, sondern um die Magie des Verführens. Zauberhaft, wie er die Flageoletts leuchten ließ, wie sein voll-strahlender Geigenton vor der großen Besetzung markant, aber genau fokussiert sich abhob. Hinreißend auch die Zugabe, die „Caprice“ der großen polnischen Komponistin Grazyna Bacewicz. Man darf auf weitere Großtaten dieses Ausnahmetalents mit diesem Orchester hoffen.
Als wäre das alles nicht Glückes genug, bedankte sich das Orchester mit dem Mambo aus Bernsteins „West Side Story“ so, wie es Thomas Clamor als Dozent des venezolanischen Sistema und Leiter dessen Brass Ensembles kennengelernt hat: mit Hörnerschwenken, Kontrabassdrehen, juchzenden Rufen und Hüftkreisen. Wunderbar.
© 2010 Neue Westfälische
Gütersloher Zeitung, Dienstag 09. Februar 2010
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